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Die Fahrradtour

An einem Sonntag im Mai: Der blaue Himmel und die Wölkchen erschienen sehr einladend für eine spontane Radtour. Also rauf aufs Rad und los! Bereits nach 9Km gab es für mich das erste Eis. Übrigens ist der Kiosk in Grünwald ein Kiosk wie jeder andere Dorfkiosk. Ein Auffangbecken für alle, die Eis am Stiel und Bier und Schnaps (und eine Dusche) brauchen.
Nach der Eisstärkung ging es weiter durch den Wald. Hinter einer Biegung ging es bergab in Richtung Isar. Das Ende der Abfahrt ließ sich von oben nicht ausmachen, aber ich dachte mir, dass es ja so weit nicht bergab gehen könne. Und dann fuhr ich gefühlte 15 Minuten bergab. Nach ca. 7 Minuten und unzähligen qualvollen Gesichtern, die bergauf fuhren oder schoben habe ich überlegt gleich wieder umzudrehen.  Das ging aber nicht. Ich wusste, ja dass ich da nie wieder raufkommen würde. Also habe ich mir überlegt, dass es an anderer Stelle bestimmt einen Lift gibt. Oder ich fahre dann einfach unten wieder zurück. Oder ich springe auf ein Floß, oder kapere ein Schlauchboot. Guter Plan. Mir konnte also nichts passieren.
Unten angekommen war ich tatsächlich etwas panisch, denn wie ich jemals wieder heim kommen sollte war mir unklar. Also habe ich beschlossen tatsächlich unten am Wasser zurückzufahren. Das Schild mit dem Hinweis, dass der Uferweg für Fahrräder nicht geeignet sei, habe ich erfolgreich ignoriert. Und diese Ignoranz umgehend bereut. Ich besitze zwar so eine Art Mountenbike für Städter, aber für rieseige Schlammlöcher und Wurzelhürden sind weder mein Rad, noch ich geeignet.
Umkehren ging natürlich auch nicht. Also fuhr ich weiter auf dem leicht ansteigenden Mountenbiketrail. Die gröbsten Wurzeln waren überstanden, als ich an einer Weggabelung die Wahl hatte wieder bergab zu fahren, oder bergauf. Eine Gruppe Rentner stand auch ratlos an der Gabelung und hat gerade zwei Reiter mit riesigen Pferden befragt wo sie hinfahren sollen. Ich habe auf die Reiter gehört und mich für bergauf entschieden. Die Erzählungen von unten glichen der Hölle. Die Rentner wollten wohl dort hin.
Vom Ehrgeiz gepackt bin ich also bergauf gestrampelt. Gefühlte zwei Stunden lang (10 Minuten sind wahrscheinlicher). Auf dem Weg nach oben habe ich triumphal die zwei Pferde überholt, die von ihren Reitern freundlicherweise zum Stehen gebracht wurden.  Leider hatte ich diese dann direkt hinter mir und konnte mir somit nicht mehr die Blöße geben abzusteigen.

Irgendwann war ich dann oben. Nach Luft japsend bin ich beinahe vom Rad gefallen. Fast kotzend und wahrscheinlich dunkelrotlilabalssblau verfärbt hing ich über meinem Lenker.

Dann kamen Er und Sie: Eigentlich hatte ich bemitleidende Worte erwartet. Oder Erste-Hilfe-Angebote. Statt dessen rief er ihr entgegen, dass er gerade Steffi Jones gesehen habe. Steffi Jones. Im Grünwalder Forst. Halb tot auf einem Fahrrad. An einem Sonntag im Mai. Ich hätte das am liebstem kommentiert, aber mir blieb neben Luft nun leider auch die Spucke weg.

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