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Der falsche Pep

Ich hör euch schon: „So macht man das!“, „Siehste!“, „Machen wir jetzt auch ein Video?“, „Warum warst Du noch nicht in der Zeitung?“, „Darf ich Dich richtig vermarkten?“, usw.

Generalantwort: „Nein!“

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Dirk – eine Lebenseinstellung

Letzter Spieltag der Saison 2011/2012. Aschheim. Halbzeit. Pause. Hunger. Thüringer! Da kann ich nicht vorbei. Der Grillmeister sieht mich, in seinem Gesicht geht die Sonne auf: „Na, wenn ham mer denn da!?“
„Na, nix da. Die Jessi und die ist hungrig!“ Kurz hat er noch protestiert und insistiert und mir dann aber bereitwillig und ohne weitere Autogrammwünsche mein Würstl in der Semmel überreicht. Ich beiß grad so hinein, habe wahrscheinlich Senf im ganzen Gesicht verschmiert, der erste Fleck auf dem Shirt ist vorprogrammiert. Spricht mich einer – ca. 40 Jahre alt – an. Er hat noch einen Freund dabei, aber der kann wohl nur nicken:
„Darf ich ein Foto machen!!“
„(Schmatz) – Nä, warum denn?“
„Jacky Jones, oder?“
(Senf tropft) „Wer is’n das?“
„Na Jacky halt! Jacky Jones! Foto? Bitte!“
„Nö, ich esse“
Es vergehen 10 Minuten.
„Sorry darf ich nochmal? War das vorhin nicht zu aufdringlich, oder? Ich dachte wirklich Du bist Jacky. Aber jetzt so – der Körperbau ist ja ganz anders. Man sieht das schon.“
Den anschließenden 5-minütigen Vortrag in vergleichender Anatomie lass ich jetzt mal lieber aus. Es stellt sich jedenfalls heraus, dass er generell ein großer Fan und Supporter ist. Vom FCB, dem HSV, von Jacky Jones. Von allem. Er hat ein Trikot dabei, für die Autogramme. Vorne Senf und Ketchupflecken. Dirk steht auf dem Rücken. Hinten unterschreiben die Männer. Immer. An der Säbener Straße. Immer. Aber ein paar Unterschriften fehlen ihm noch. Immer.
Und vorne dürfen die Frauen. Netterweise zieht er es zum Unterschreiben immer aus. Und er dachte, dass Jacky gleich unterschreiben würde, drum hat er sich extra aus seinem Shirt geschält.
Ich entschuldige mich für diese Unannehmlichkeit. Aber er sieht es gelassen. Später ist eh noch Autogrammstunde.

Dirk ist weg. Dafür nähert sich jetzt ein alter Bekannter – ca. 40 Jahre alt. Der war schon in Köln beim Pokalfinale und hat dort meine Schwester zugeschwallt. Und WTF!? Wir haben uns von ihm fotografieren lassen! Das muss er mir jetzt zeigen. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, aber er hat das Foto tatsächlich in mehrfacher Ausführung auf Fotopapier ausgedruck dabei. Und er muss ja jetzt nochmal fragen:
„Sie, äh Du, äh SieDu bist sind ja irgendwie verwandt, oder? Mit Frau Jones“
„Ähm, nein. Aber wir können schon gerne beim Sie bleiben“
„Achso. Ja weil irgendjemand hat das in Köln gesagt, dass Sie Du verwandt sind mit Frau Jones“ (Danke dafür.)
„Nein, besteht sicher kein Zusammenhang. Verwandte hab ich trotzdem.“
„Achso ja. Entschuldigung. Ich dachte halt… Aber ist ein schönes Foto, oder?“

Nach dem Abpfiff zieht es sich ein wenig bis zur Autogrammstunde. Während ich angestrengt überlege ob ich ein Foto mit dem Maskottchen Berni machen will, sortiert der Fotomensch aufgeregt seine heiligen Unterlagen. Fotos, Zeitungsauschnitte und andere Papiere. Ich entscheide mich gegen Berni. Ist ja peinlich. Für Berni, weil ich ja größer bin. Außerdem bin ich mittlerweile desillusioniert; ich habe gesehen, wie der Mensch im Kostüm aussieht. Ein ähnliches Gefühl hatte ich wahrscheinlich zuletzt, als ich herausgefunden habe wer der Nikolaus in Wahrheit ist.

Endlich gibt es Autogramme. Dirk steht mit dem Fleckentrikot und guter Laune mit seinem Kumpel in einer Schlange mit ca. 200 Kindern. Weiter hinten steht der Fotomensch.
Dirk ist fröhlich und als er endlich 15 Autogramme ergattert hat ruft er seinem Kumpel etwas hinterher: „HEY, DIRK…!“
Dirk! Die heißen wirklich beide so!? Geht denn das? Wahrscheinlich haben sie sich im Internet kennengelernt. Oder es war ein Gesuch im Wochenanzeiger? „Suche Dirk zur Autogrammjagd und Rumdirken auf dem Fußballplatz“
Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Fotomensch auch Dirk heißt, geht ja gar nicht anders. Foto-Dirk hat inwischen natürlich auch noch seine Autogramme abgeholt. Außerdem hat er noch ein Ass im Ärmel: Einen Internetausdruck (ihr dürft jetzt lachen!) für eine der Spielerinnen des FCB. „Ich hab Dir hier was ausgedruckt. Aus dem Internet. Lies das mal durch. Ist ganz interessant was die Leute so schreiben.“ Was auf dem Zettel stand konnte ich sogar sehen. Es handelte sich um Kommentare aus Internet-Foren. Thema: Das Gastspiel jener Spielerin in einem bekannten Tiermagazin (irgendwas mit Bunnies). Wahrscheinlich besitzt er das Heft auch in mehreren Ausgaben und benutzt es um sich zu sortieren.

Mich stupst jemand von hinten an. Ich zucke zusammen. Ein Mann. Noch ein Dirk? Zum Glück, scheint er tatsächlich nur ein Vater zu sein. Er fragt ganz nett ob die drei Mädels hinter ihm (ich blicke in sechs Rehäuglein) ein Foto machen dürfen.
Drei Rehherzlein zerbrachen an diesem Nachmittag. Das war bitter. Im Hintergrund hüpfen Dirk und Dirk in ihren Trikots herum. Foto-Dirk sortiert seine Ausdrucke. Eine wirklich skurilie Situation. Ich hätte lieber noch sechs Dirks ertragen wollen, als die Mädels so zu enttäuschen. Ich habe ihnen angeboten trotzdem ein Foto mit ihnen machen, aber das haben sie dann abgelehnt.

Das Fazit dieses Nachmittags: Dirk ist nicht einfach nur ein Name – Dirk ist eine Lebenseinstellung. Der männliche Frauen-Fußbalfan – ca. 40-Jahre alt – wird einfach so. Das muss eine natürliche Entwicklung sein.
Besonders schön finde ich den Namen übrigens, wenn man ihn engl. ausspricht. Das klingt dann ungefähr so: http://bit.ly/OkVGpJ

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